Wir sind wieder in Steutz.
Eigentlich gehört in diesen Satz noch ein deutliches „ENDLICH“ hinein – denn schließlich sind wir hier unter Fliegerkameradinnen und -kameraden, alte Freundschaften werden erneuert und neue geschlossen – was kann schöner sein, als mit Leuten, die Ähnliches mögen, eine reichliche Woche Modellflug zu (be)treiben…
Wir, das sind Mathilda, Gabi, Tim (kurz), Tim (lang), Jonathan, Marc, Claus, Uwe und Hartmut aus unserem Verein und gaaanz viele weitere modellflugverrückte Typen aus Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, die sich – wie jedes Jahr – in der Steutzer Elbaue (ein paar Stromkilometer elbabwärts von Dessau) im Landjugendheim des Albert-Schweitzer-Familienwerkes einquartiert (unsere Truppe wohnt wieder in Zelten)
und in der Elbaue eine Wiese von ca. 5 x 2 km² zum „Toben“ haben.
Organisiert hat das alles wieder der Flugmodellsport- und Freizeit-Club Zerbst e.V. unter tätiger Mithilfe weiterer Kameradinnen und Kameraden aus befreundeten Vereinen. Die sportliche Leitung hat wieder Claus übernommen und wird dabei kräftig von Yvette, Vincent und Josie unterstützt.
Neben den üblichen Fachsimpeleien und Geschichten, die im Allgemeinen mit „Weißt Du noch, …“ beginnen, steht aber der Nachwuchs und dessen Hineinwachsen in den Modellflugsport im Vordergrund.
Während die Weltspitze der Fernsteuersegelflieger zur Zeit ein paar hundert Kilometer nördlich von uns, in Tarp an der dänischen Grenze um die Weltmeistertitel in der Klasse F3K (Schleudersegler oder im Flieger-Jargon: Schmeißgeier) kämpft oder sich auf die Reise zur in wenigen Tagen in Nardt bei Hoyerswerda stattfindenden Weltmeisterschaft in der Klasse F3B (Multitask-Segelflug) vorbereitet, macht hier in Steutz der Nachwuchs in den Modellflug-Einsteigerklassen, den Uhu-Klassen die ersten Schritte in Richtung einer künftigen WM-Teilnahme.
Neben dem klassischen Beginner-Szenario mit kleinen Freiflugmodellen („Kleiner Uhu“) im Hand-Schlepp gibt es zwei Schleuder-Segler-Klassen : „Mini-Uhu“ (Freiflugmodell) und „Schleuder-Uhu“ (ferngesteuert) und daneben noch drei weitere Fernsteuerklassen: „Gliding Class“ (Segler mit Windenstart), „Open Class“ (schon ganz nah an der F3B) und „Electric Class“ (Motorsegler). Bis auf die Open Class sind die Bauvorschriften so ausgelegt, dass die Sache mit ein wenig Sponsoring von Oma/Opa/Eltern/Verein oder dem Glück, durch erfolgreiches Fliegen einen der wertvollen Sachpreise zu gewinnen, durchaus auch für Kinder und Jugendliche erschwinglich ist.
Auch wenn es in diesem Jahr (gegen den Trend ?) eher etwas feuchter als in den vergangenen Sommern und leider auch relativ windig zu sein scheint, konnten die Kids schon eine Reihe von Trainingsflügen absolvieren. Die „alten Hasen“ unter ihnen verbesserten ihre Leistungen, die Neulinge machten ihre allerersten „Hüpfer“ – ganz wichtig aber: Alle haben Spaß und lernen, gemeinsam an das Thema Modellflug heranzugehen.
Ach ja, gestern war eine Gruppe aus dem örtlichen Kindergarten/Schulhort zu Gast. Die ganz Kleinen bauten unter Anleitung und mit der Hilfe der größeren Modellflieger-Kinder kleine Segelflugzeuge aus Schaumstoff und durften diese dann auch (wiederum in Regie und unter Anleitung ihrer nur wenige Jahre älteren „Fluglehrer“) austrimmen und starten. Ein gelungener Vormittag, der vielleicht auch den Kindergarten-Kindern den Modellflug-Virus vermittelt hat…
Jetzt, gegen 22:00 zieht so langsam Ruhe im Landjugendheim ein, nur hier und da hört und sieht man noch jubge und jung gebliebene Modellfliger an der Beseitung von Blessuren an den Flugmodellen oder aber an hier vor Ort entstehenden Neubauten arbeiten.
Die Wettervorhersage hat die Organisatoren veranlasst, den ersten Trainingsstart für die „Kleinen Uhus“ auf morgen Früh um 7:00 Uhr vorzuziehen – wer dort gut aussehen möchte, hat seinen Schönheitsschlaf bereits begonnen…
PS: Weitere Fotos werden nachgereicht, wenn das Wetter für’s Fliegen nicht geeignet ist und kein Baudienst ansteht…
Update 30.07.25
Heute Morgen ging’s für die Pilotinnen und Piloten in der Klasse „Kleiner Uhu“ früh raus (Freiflieger sind bekanntlich Frühaufsteher), weil das Wetter passte und für den weiteren Tagesverlauf zumindest heftiger Wind angesagt war. Der Wettbewerbsbeginn war für 6:30 angesetzt. Herrliche Sonne – aber wie’s eben so ist: Den Morgentau hatte sie noch nicht weggeleckt Leute mit kurzen Hosen waren deutlich besser dran, aber in allen Schuhen quietschte der Tau…
Der Wettbewerb wurde straff durchgeführt, nach dem dritten von 5 Durchgängen hatte sich aber der Wechsel von Seilholen, Vorbereiten und eigenem Start recht gut eingespielt.
Die Thermik war nicht unbedingt heftig, aber dafür gab es fast durchweg gute Zeiten und zum Schluss war klar, es würde bei nächstbester Gelegenheit ein Stechen um die ersten sieben Plätze geben.
Also ging’s erst einmal zum Frühstück und danach wurden Trainings- und erste Wettbewerbsflüge in den anderen Uhu-Klassen absolviert.
Gegen Mittag hatten wir dann auch das Lehrer/Schüler-System (leider „nur“ kabelgebunden) für unseren „Falken“ so weit eingerichtet, dass wir uns an das Training für die Schleuder-Uhu-Klasse machen konnten. In die zugehörigen Wettbewerbsflüge konnten wir uns nicht mehr einordnen, aber für Marc, Tim und Mathilda soll diese Woche ja auch zum Einstieg in die Fernlenkfliegerei dienen und Jonathan hatte auch noch nie einen „Schmeißgeier“ am Knüppel gesteuert. Er war aufgrund seiner Vorkenntnisse der Erste und stellte sich dabei so gut an, dass er nach ca. einer Dreiviertelstunde ohne jegliche Sicherung durch das Lehrer/Schüler-System quasi den ersten Alleinflug ohne Sicherung durch das Lehrer/Schülersystem absolvierte und sich damit als Erster von den Vieren freigeflogen hat. Herzlichen Glückwunsch!
Nach dem Abendbrot gabs dann ab 20:00 das Stechen bei den „Kleinen Uhus“ (im Bild rechts die Finalisten). Dem Vernehmen nach gewann Marc mit einer Sekunde Vorsprung von Ben und mit drei Sekunden Vorsprung vor Jonathan. Tim hatte Pech mit der Technik und wurde somit Siebenter. Aber so etwas zu verkraften gehört zu den Tugenden der Luftsportler – er trug’s mit Fassung und hat ja auch noch ein paar Jahre, in denen er es erneut versuchen wird.
Jonathan hatte richtig „Blut geleckt“ und so oblag es ihm (z.T. mit Marc als Werfer), die letzten Flüge des Tages zu machen und das Wetter bis zum Eintreten der „Bürgerlichen Dämmerung“ zu nutzen…
Update 01.08.25
Am Donnerstag ist traditionell der Tag der offiziellen „Eröffnung“. Diese fand dann am Mittag unter Teilnahme des Landrates des Lkr. Anhalt-Bitterfeld, des Präsidenten des Luftsportverbands Sachsen-Anhalt, des Stv. Oberbürgermeisters der Stadt Zerbst und der Landes-Modellflugreferenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt statt.
Bemerkenswert ist die Altersspanne zwischen dem jüngsten Teilnehmer (Konstantin, 3, aus Berlin, hat erstmalig einen „Kleinen Uhu“ geschleppt) und dem ältesten Teilnehmer (Kurt, 94, aus Zerbst) betrug 91 (in Worten: EINUNDNEUNZIG) Jahre. Da sage noch jemand, Modellflug sei nur etwas für vor der Rente stehende Leute…
Mit dabei waren auch die Kindergarten- und Hortkinder aus Zerbst, welche am Dienstag die Wurfgleiter aus Schaum gebaut hatten.
Wie schon im Vorjahr erklärten die Kids dann den Offiziellen und den Vertretern der Presse ihre Modelle und ihren Sport.
Zum Abendessen gab’s dann frisch aus Thüringen „eingeflogene“ Thüringer Bratwürste, von Micha und Hartmut auf dem Grill zubereitet. Und danach standen für uns noch ein paar Trainingsflüge mit dem 1-m-Schmeißgeier an – Jonathan hat dabei ausgibig das Werfen trainiert – er ließ beim Steuern Marc den Vorrang und durfte dafür wieder den Tag mit den finalen (Allein-) Flügen beschließen.
Heute, am 01.08.25 gab´s in der Nacht und am Morgen bis zum späten Vormittag z.T. heftigen Regen, an Fliegen war nicht zu denken. So nahmen wir mit dem Auto die Fähre nach Aken und fuhren ins Technik-Museum Hugo Junkers in Dessau.
Seit unserem letzten Besuch dort hat sich Einiges getan: Nicht nur die Ausstellung ist ergänzt worden, auch der aus Dresden übernommene Windkanal kann jetzt in Funktion erlebt werden. Was lag also näher, als neben einfachen Versuchen mit verschiedenen umströmten Körpern auch einmal die „aerodynamischen Qualitäten“ der Besucher bei ca. 80 km/h zu testen – eine tolle Erfahrung für die Kinder.
Nach dem Mittagessen war Bauen für die Betreuer angesagt: Am Abend sollte der Betreuer-Wettbewerb stattfinden.
Wieder hatte Claus eine Reihe von Meisen-Bausätzen spendiert, die von den Betreuern zu funktionierenden „Schnips-Gleitern“ aufgebaut werden mussten und dann einen maximale Flugzeit von 15 Sekunden erzielen sollten.
Das Sagen hatten bei diesem Wettbewerb die Kids – sie hatten die Wettbewerbsleitung inne und stellen die Sportzeugen. Im Bild links die Teilnehmer mit ihren Modellen Da muss man schon genau hinschauen… 😉
Für eventuelle Nachahmer hier einige Studien zur Starttechnik – auch wenn die individuellen Ergebnisse das Potenzial dieser Technik noch nicht zwingend bestätigen…
Es blieb den meisten Teilnehmern schleierhaft, wie Claus mit diesen leichten Balsa-Gleitern derartige Flughöhen und -zeiten schaffen konnte – jedenfalls dürfte er nach Augenschein in diesem Wettbewerb (wieder einmal) einsam an der Spitze rangieren.
Auch von den Sportzeugen (ein Team im Bild rechts) war zu diesem Thema keine Auskunft zu erhalten…
Danach haben wir noch einmal ein wenig Lehrer/Schüler-Fliegen praktiziert und nach gefühlt 40 Würfen ist auch Jonathan ausreichend ausgepowert…
Morgen ist der Tag der Siegerehrung und wir hoffen auf richtig gutes Wetter zum Fliegen (lassen)…